Beziehungen begleiten uns durch verschiedene Lebensphasen und jede davon stellt neue Fragen. Wie bleiben Gespräche ehrlich? Wie verändert sich Nähe mit den Jahren? Und was hilft, den Alltag gemeinsam leichter zu machen? In diesem Gespräch mit Melisa und Florian Dobric von Zwei Dreissiger geht es um genau diese Zwischentöne des Zusammenlebens.
Am 7. März, rund um den Internationalen Frauentag, öffnen wir unseren Berliner Showroom für Kaffee, Gespräche und einen gemeinsamen Moment der Fürsorge. Gemeinsam mit Zwei Dreissiger laden wir dich ein, vor dem Start ihrer ausverkauften Unwritten Tour vorbeizukommen. Keine Bühne, kein Programm, keine geplanten Talks. Einfach Kaffee, kleine Begegnungen und ein Innehalten mitten im Tag.
Über den Tag hinweg servieren wir Kaffee und Merch von La Marzocco und Zwei Dreissiger im Sinne des caffè sospeso. Du bezahlst dein Getränk nicht. Stattdessen kannst du eine freiwillige Spende an die Frauenhauskoordinierung e.V. hinterlassen und so aus einer einfachen Tasse Kaffee eine kleine Geste der Solidarität und Aufmerksamkeit machen.
Komm tagsüber vorbei, auf deinem Weg durch den Kiez oder zwischen deinen Wochenendplänen. Von 10 bis 14 Uhr sind Melisa und Flo selbst vor Ort, lernen euch kennen, kommen ins Gespräch und trinken gemeinsam mit euch einen Kaffee – so, wie viele von euch ihnen schon seit Jahren zuhören.
Hier kannst du dich über den RSVP anmelden.

Viele Gespräche beginnen beiläufig — oft an einem Tisch, mit einer Tasse in der Hand, ohne dass man es geplant hat. Habt ihr ein gemeinsames Ritual im Alltag, das euch immer wieder zusammenbringt?
Kaffee hat mich und Flo schon immer verbunden. Bevor wir eine eigene Maschine hatten, sind wir oft gemeinsam rausgegangen, um einen Kaffee zu trinken. Jetzt können wir dieses Ritual zu Hause zelebrieren. Flo macht uns jeden Morgen Kaffee, den wir entweder gemeinsam am Tisch genießen oder am Wochenende im Bett. Und jedes Mal freuen wir uns darüber, dass wir so guten Kaffee zu Hause trinken können.
Kaffee ist selten nur ein Getränk, sondern oft ein Anlass, sich Zeit füreinander zu nehmen. Ist Kaffee ein solcher Anlass für euch
Auf jeden Fall! Ich bin in einer Familie großgeworden, in der es ganz normal war, dass täglich Freunde, Familie oder Bekannte auf eine Tasse Kaffee vorbeigekommen sind. Meine Oma hat auch gerne bosnischen Kaffee in einer Kupferkanne zubereitet. Diese Art der Zubereitung hat für mich etwas sehr Nostalgisches und Familiäres. Es wärmt mir richtig das Herz, wenn ich daran denke.
Nicht jeder Ort lädt zu ehrlichen Gesprächen ein. Manche Räume öffnen uns, andere halten uns eher zurück. An welchen Orten könnt ihr am besten offen sprechen?
Ich finde, unser Podcast hat uns schon oft Raum gegeben, sehr ehrlich und konzentriert miteinander zu sprechen. Das liegt vermutlich daran, dass wir uns dort wirklich aufeinander einlassen müssen und uns bewusst Zeit füreinander nehmen. Abgesehen davon mag ich Gespräche in Bewegung sehr zum Beispiel bei einem Spaziergang oder im Auto.
Viele Menschen hören euch seit Jahren zu und fühlen sich euch nahe, obwohl ihr euch nie begegnet seid. Woran liegt es eurer Meinung nach, dass zwischen Fremden so ein Gefühl von Vertrautheit entstehen kann?
Ich glaube, wir haben uns schon sehr früh sehr verletzlich gezeigt. Das ist für Menschen in der Öffentlichkeit nicht immer üblich, wobei sich das zunehmend verändert. Meiner Erfahrung nach kann Vertrauen nur entstehen, wenn man sich emotional öffnet und dem Gegenüber oder in diesem Fall den Hörer:innen einen echten Zugang ermöglicht.
Ein kurzer Austausch kann manchmal länger nachwirken als ein langes Gespräch im eigenen Umfeld. Gab es eine Begegnung mit einer fremden Person, die euch besonders in Erinnerung geblieben ist?
Auf jeden Fall. Wir haben vor einigen Jahren ein Retreat in Thailand gemacht, bei dem wir Menschen aus der ganzen Welt begegnet sind. Wir haben niemanden davon je wiedergesehen, aber die Gespräche und gemeinsamen Momente sind uns bis heute in Erinnerung geblieben.

Euer Podcast begleitet viele durch eine Lebensphase, in der vieles weniger eindeutig ist als gedacht. Was hat euch persönlich an euren Dreißigern am meisten überrascht?
Ich hätte nicht gedacht, dass es in den Dreißigern noch einmal so viele Konflikte mit Freundschaften geben kann. Gleichzeitig sind die Dreißiger aber auch eine Zeit, in der man eigene Grenzen klarer aufzeigt und mehr für sich einsteht. Das birgt Konfliktpotenzial, ist aus meiner Erfahrung aber notwendig und stärkt in vielen Fällen sogar die Freundschaft.
Beziehungen verändern sich mit der Zeit — nicht unbedingt einfacher, aber vielleicht klarer. Habt ihr das Gefühl, Beziehungen werden mit den Jahren leichter oder vor allem ehrlicher?
Ich hoffe es. Gerade fühlt es sich so an, als würde man diesen Weg bewusst beschreiten. Ich habe mir fest vorgenommen, in den kommenden Jahren ehrlicher mit mir selbst und mit meinem Gegenüber zu sein. Das klingt jetzt so, als hätte ich früher nur gelogen (was natürlich nicht der Fall ist 😄), aber ich hatte lange Schwierigkeiten damit, offen zu sagen, wenn ich etwas unpassend oder verletzend fand. Das hat oft dazu geführt, dass man sich innerlich hineingesteigert und emotional distanziert hat. Dabei muss das gar nicht sein. Es ist absolut in Ordnung, auszusprechen, wenn man etwas nicht fühlt.
Erwartungen an Männer und Frauen zeigen sich oft im Alltag miteinander. Was habt ihr im Zusammenleben voneinander darüber gelernt, wie unterschiedlich Erwartungen erlebt werden können?
Gerade in der Mutterschaft habe ich die unterschiedlichen Erwartungen an Männer und Frauen sehr deutlich gespürt. Ich habe lange gebraucht, um dafür die richtigen Worte zu finden und zu verstehen, was ich eigentlich fühle. Bei uns hat es viele Gespräche gebraucht, in denen wir versucht haben, Aussagen ganz genau zu klären: Was löst etwas in mir aus? Was war eigentlich gemeint? Und wie können wir unsere Erwartungen so gestalten, dass sie sich nicht wie dauerhafter Druck anfühlen?
Was uns geholfen hat: Es geht nicht darum, wer recht hat und darauf zu beharren. Sondern darum, den gemeinsamen Alltag so zu gestalten, dass er für das Gegenüber möglichst leicht ist. Das bedeutet auch, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, sich anzupassen und Dinge nicht unnötig groß werden zu lassen.
Wenn viele Menschen gleichzeitig demselben Gespräch zuhören, entsteht eine besondere Atmosphäre. Wie nehmt ihr die Stimmung in solchen Momenten wahr?
Wir lieben die Atmosphäre auf unserer Podcasttour. Unser Ziel war es immer, gemeinsam mit dem Publikum einen schönen, gemütlichen Abend zu erleben und genau das haben wir geschafft. Was wir vorher nicht wussten, war, wie witzig diese Abende auch sein würden. Es gibt für mich nichts Schöneres, als mit vielen Menschen gemeinsam zu lachen. Das trägt einen durch den Abend und oft auch noch durch die Tage danach.
Am Ende nehmen die Besucher mehr mit als nur das Gesagte. Mit welchem Gefühl wünscht ihr euch, dass Menschen eure Abende verlassen?
Am liebsten sollen die Menschen beseelt nach Hause gehen, mit einem Schmunzeln im Gesicht.