{"id":6111,"date":"1970-01-01T00:00:00","date_gmt":"1969-12-31T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lamarzocco-de-update.testsuite.it\/elbgold-thomas-kliefoth-und-die-dritte-welle-des-kaffees-in-hamburg\/"},"modified":"2024-08-26T16:02:52","modified_gmt":"2024-08-26T14:02:52","slug":"elbgold-thomas-kliefoth-und-die-dritte-welle-des-kaffees-in-hamburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lamarzocco-de-update.testsuite.it\/de\/elbgold-thomas-kliefoth-und-die-dritte-welle-des-kaffees-in-hamburg\/","title":{"rendered":"elbgold &#8211; Thomas Kliefoth und die &#8222;Dritte Welle&#8220; des Kaffees in Hamburg"},"content":{"rendered":"<p>Mit der Gr\u00fcndung von <em>elbgold<\/em> im Jahr 2004 z\u00e4hlen Annika &amp; Thomas zu den ersten Spezialit\u00e4tenkaffee-R\u00f6stern in Europa. Wer in Hamburgs Kaffeeszene eintaucht, st\u00f6\u00dft sehr schnell auf einen ihrer f\u00fcnf modernen Stores. <em>elbgold<\/em> verk\u00f6pert seit \u00fcber 15 Jahren Qualit\u00e4t: sorgf\u00e4ltiger Rohkaffee-Einkauf, elegantes Design, konstante R\u00f6stung und geschulte Handgriffe der Barista.<\/p>\n<p>Aus ihrer langj\u00e4hrigen Beziehung zu la marzocco und aus der engen Zusammenarbeit mit Espresso Prego resultierte mit dem Umbau der R\u00f6sterei im Schanzenviertel etwas einmaliges: Eine von Hand verblattgoldete Custom KB90. Wo fr\u00fcher die L\u00f6wen an den Seiten einer FB80 den Tresen \u00fcberwachten, steht seit wenigen Wochen eine neue, moderne KB90 mit Multiboilern, Straight-In Siebtr\u00e4gern und Auto-Flush.<\/p>\n<p>Wir haben uns mit Thomas \u00fcber das Aufkommen der \u201eDritten Welle\u201c des Kaffees gesprochen und und ihn zu den Anf\u00e4ngen von elbgold und der Speciality Coffee Szene in Hamburg befragt.<\/p>\n<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-48329\" src=\"https:\/\/de.lamarzoccohome.com\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/thumbnail_IMG_0778.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"853\" \/>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>Was ist deine erste Erinnerung an Kaffee? <\/strong><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>Ich erinnere mich nicht so ganz \u2013 ich meine das war sehr fr\u00fch. Ich glaube so mit 14. Und schuld ist daran meine Schwester, weil sie 10 Jahr \u00e4lter ist als ich. Die musste immer auf mich aufpassen mit ihrem Freund. Dann haben die beiden mich mitgenommen, wir sind Eis essen gefahren und Kaffee trinken. Meistens beim Italiener, sehr h\u00e4ufig bei Filippi, der ist ganz hier in der N\u00e4he von unserm ersten Laden. Herr Filippi, den alten Filippi, den fand ich besonders toll. Als ich ein bisschen \u00e4lter wurde, hatte ich dann eine Vespa und wusste dann relativ schnell, wo man im Hamburg den besten Kaffee trinken kann. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>Wann entstand die Idee \u201eelbgold\u201c in euren K\u00f6pfen? Woraus ist sie gewachsen?<\/strong><\/p>\n<p><em>Annika und ich sind seit 1994 ein Paar. In den Jahren 95\u2018, 96\u2018 waren wir sehr viel auf Reisen und hatten schon relativ schnell den Gedanken, dass wir ein Caf\u00e9 aufmachen wollen. Ich war schon immer total kaffeeirre und Annika kam gerade zur\u00fcck aus den USA und hatte da Starbucks kennengelernt. Ich war eher so auf italienischem Espresso und hatte sehr fr\u00fch eine Espressomaschine. Ein allererstes Geschenk zum Geburtstag war dann auch ein Herdkocher. Wir hatten also beide diesen Tick und dachten: \u201eWir m\u00fcssten doch mal eine Kaffeebar aufmachen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>Warum hat es dann doch so lange gedauert, bis ihr elbgold dann tats\u00e4chlich gegr\u00fcndet habt? Zwischen 1994 und 2004 liegen immerhin 10 Jahre. <\/strong><\/p>\n<p><em>Ich war in den Jahren 95\u2018 und 96\u2018 relativ viel in England und da kam gerade die \u201esecond wave\u201c auf. Es gab die \u201eSan Francisco Coffee Company\u201c und die haben relativ schnell ganz viele L\u00e4den aufgemacht. Also haben wir auch ein Konzept geschrieben und sind 1996 mit diesem Konzept in der Hand zur Bank gegangen und wollten einen Kaffeeladen machen. Aber so secondwave m\u00e4\u00dfig, so starbucksm\u00e4\u00dfig. Das hat aber nicht geklappt und das war ganz schrecklich und sehr frustrierend. Daraufhin haben wir das Konzept in die Schublade geschmissen und weiterstudiert und gearbeitet. Ich als Architekt und Annika als Pressesprecherin.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>War die Idee damit erstmal begraben?<\/strong><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>Nie so richtig. Wir waren trotzdem viel auf Reisen und haben jedes Caf\u00e9 in jeder Stadt angeguckt, jede R\u00f6sterei abgeklappert. Zur\u00fcck in London, habe ich dann auch in einer R\u00f6sterei gearbeitet. 2003 bin ich zur\u00fcck und wir haben Urlaub in Mexiko gemacht und dort den Entschluss gefasst: Entweder wir machen eine Weltreise oder wir suchen uns jetzt einen Laden und machen das was wir immer machen wollten. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>Hattet ihr zu diesem Zeitpunkt schon von der Thirdwave Bewegung geh\u00f6rt?<\/strong><\/p>\n<p><em>Um die Jahrtausendwende waren wir in L.A. Und da startete die ganze Thirdwave Bewegung w\u00fcrde ich sagen. Als wir dann wieder da waren, dachten wir \u2013 ja gut, dann machen wir das auch. Was es aber noch nicht gab, war der Begriff \u201eThirdwave\u201c. Das war ein Mindset von verschiedenen Leuten aber noch kein Label.<\/em><\/p>\n<p><em>Und dann hat das nochmal 5 Jahre gedauert, bis es hier wirklich angekommen ist. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>Warum glaubst du, hat es so lange gedauert?<\/strong><\/p>\n<p><em>Das Problem ist ja: Dir werden in Deutschland keine Fehler verziehen. Wenn du pleite gehst, dann sagen die in Amerika, \u201eCool, du hast was probiert, jetzt mach das n\u00e4chste\u201c.<\/em><\/p>\n<p><em>Das andere ist: In Hamburg hast du kaum Raum f\u00fcr Experimente. Hier kannst du nicht eben mal ein f\u00fcr 300\u20ac ein 80qm Ladenlokal anmieten und was ausprobieren und wenn das nach \u2018nem Jahr dann nicht hinhaut-ja gut, so what, dann hast\u00a0 du halt 10.000 verbraten. Das w\u00e4re alles nicht existenziell. Aber hier in Hamburg, klappt das was du vorhast entweder oder du bist erstmal f\u00fcr 7 Jahre rausgeschossen und hoch verschuldet. Das d\u00e4mpft nat\u00fcrlich jegliche Kreativit\u00e4t, weil das Risiko einfach zu hoch ist.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hast du in London auch R\u00f6sten gelernt? War dieses R\u00f6sten schon von der Thirdwave beeinflusst?<\/strong><\/p>\n<p><em>Ja. R\u00f6sten hatte ich dort gelernt. Zu der Zeit als ich in London war, befanden wir uns quasi an der Schwelle von der Secondwave zur Thirdwave. Was f\u00fcr die Zeit schon sehr besonders war, war das \u201efrische\u201c R\u00f6sten. Was auch besonders war, war mal einen Kaffee zu haben, der aus <u>einem<\/u> Land kam. <u>Sortenreine<\/u>r brasilianischer Kaffee-das war schon was Besonderes. Das stand dann auf der Packung und das war dann auch ein gro\u00dfes Ding. Und da wurd\u2018 nicht hell ger\u00f6stet, da wurd\u2018 einfach ger\u00f6stet. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Also hat sich eure Art und Weise zu R\u00f6sten im Laufe der Jahre stark ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>Ja es war ein Riesenprozess. Wir haben schon ein bisschen heller ger\u00f6stet. Und da hie\u00df es schon in Hamburg \u201eBoah voll sauer\u201c. Aber das war f\u00fcr <u>damalige<\/u> Verh\u00e4ltnisse hell.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir wollten eigentlich nur zeigen, dass Deutsche auch guten Kaffee r\u00f6sten k\u00f6nnen. Wieso wird Kaffee nach Hamburg gefahren, dann kommt er auf einen Laster, wird nach Italien gefahren, weil nur die Italiener Espresso r\u00f6sten k\u00f6nnen. dann wird er wieder nach Hamburg gefahren und alle sagen \u201eWuh\u201c. Es wurde uns ja nur so eingeredet, dass nur italienischer Kaffee richtig ist. Und von Starbucks wurde uns eingeredet, dass nur diese dunkle R\u00f6stung richtig ist. <\/em><\/p>\n<p><em>Und auch die Zubereitung hat sich ver\u00e4ndert. Die ersten zwei Jahre hatten wir auch Bauschaum auf dem Cappuccino, n sch\u00f6nes H\u00e4ubchen. Und es gibt heute einen Kunden, der seit 17 Jahren kommt. Der bestellt immer noch Bauschaum und den kriegt er auch. Warum nicht? Ich halte da \u00fcberhaupt nichts von, die Leute zu erziehen, weil sich Menschen \u00fcber Kaffee definieren und was soll ich ihm erz\u00e4hlen? So wie er es macht ist es richtig f\u00fcr ihn! Wir versuchen nur andere Wege aufzuzeigen.<\/em><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Einige sagen, das Interesse an Spezialit\u00e4tenkaffee nahm in Europa erst 5 Jahre sp\u00e4ter richtig Fahrt auf.<\/strong> <strong>Wart ihr zuerst die totalen Nerds im viertel?<\/strong><\/p>\n<p><em>Nee, wir waren nicht die totalen Nerds aber wir waren eben in Hamburg-Winterhude und das ist zu dem Zeitpunkt nicht so super szenig gewesen. Das war mehr so ein kleiner Mikrokosmos innerhalb von Hamburg und wir wurden nat\u00fcrlich erstmal als Caf\u00e9 wahrgenommen und nicht als R\u00f6sterei. Erst viel sp\u00e4ter haben die Leute verstanden: \u201eAch ihr macht hier ein Produkt und das kann ich hier auch kaufen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wann habt ihr angefangen direkt zu importieren?<\/strong><\/p>\n<p><em>Unseren ersten Direktimport haben wir 2008 gemacht. Das war ein Kaffee aus Costa Rica. <\/em><\/p>\n<p><em>Das war der n\u00e4chste Schritt, dass wir die Farmer besuchen, dass wir die alle kennen, dass man sich miteinander unterhalten kann und dass man wei\u00df wo de Kaffee herkommt. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>Als wir angefangen haben, bin ich mit\u2018m Polo in den Hafen gefahren und hab im Kofferraum 2 Sack Kaffee im Monat geholt. Jetzt ist es n bisschen mehr geworden. <\/em><\/p>\n<p><em>Heute ist alles was wir r\u00f6sten zu 99.9% selbst importiert. Und dieses Jahr importieren wir 17 Container Kaffee. Also 17 x 19 Tonnen. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>Das Problem am Direktimport war aber, dass unsere Mengen meist nicht ausgereicht haben, um einen Container zu f\u00fcllen. Also mussten die Bauern den Rest der Ernte zu einem zu billigen Preis an jemand anderen abgeben. Deshalb haben wir gesagt: \u201eOk, dann versuchen wir den weiterzuverkaufen\u201c und haben irgendwann angefangen anderen Rohkaffee mitzubringen. <\/em><\/p>\n<p><em>Sp\u00e4ter haben wir \u201ePlot Coffee\u201c gegr\u00fcndet, unsere eigene Import Firma. \u00dcber die verkaufen wir jetzt weiter, denn der Farmer hat mehr davon. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ihr seid gut vernetzt au\u00dferhalb der Kaffee-Szene. Mittlerweile findet man elbgold Kaffee au\u00dferhalb von Caf\u00e9s in Hotels, Sterne-Restaurants und exquisiten Cocktail-Bars. Ist es schwer, auch dort eine konstante elbgold-Qualit\u00e4t zu gew\u00e4hrleisten?<\/strong><\/p>\n<p><em>Auf jeden Fall! Auf uns kommen schon sehr viele zu: gehobene Gastronomie, Sternegastronomie und dann in den vergangenen Jahren auch die Hotels, die eben h\u00e4nderingend nach L\u00f6sungen suchen und nat\u00fcrlich aber auch Aufwand scheuen. Dann sagst du denen \u201eWillste geilen Kaffee, brauchste ne geile Maschine. Und ne M\u00fchle brauchst du auch.\u201c Und dann rechnen die das zusammen und sagen: \u201eBoah, n\u00f6\u201c. Und eigentlich brauchst du dann auch noch einen Kaffeebeauftragten. Man kann das gut machen, aber man muss das halt auch wollen. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>Das Riesenproblem f\u00fcr uns als R\u00f6ster ist ja: Bier kannst du in Flaschen abf\u00fcllen und dann musst du noch den korken aufmachen und dann ist das Thema erledigt. Aber beim Kaffee hast du noch so viele weiter verarbeitungsschritte, mit denen du das ganze Produkt immer weiter versauen kannst. Es ist immer noch ein Produkt, das Erkl\u00e4rung bedarf. Aber das ist ja auch irgendwie das Sch\u00f6ne daran, denn wenigstens ist da mal was \u00fcber, f\u00fcr dass es einen Menschen braucht. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><em>Die Frage ist aber auch wie viel du als R\u00f6ster die Verantwortung \u00fcbernehmen musst. Aber am Ende des Tages ist das ja eigentlich nicht Aufgabe des Kaffeer\u00f6sters, das Personal vor Ort zu schulen. Als Metzger f\u00e4hrst du ja auch nicht mit ins Restaurant und zeigst dem Koch, wie er das Steak zubereitet. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Seit kurzer Zeit habt ihr eine KB90. Das erste Modell jemals, das mit Blattgold veredelt wurde. Wie sind eure Erfahrungen mit eurer neuen Maschine? <\/strong><\/p>\n<p><em>Das war ich am geilsten finde, ist Autoflush. Das ist nat\u00fcrlich klasse, weil du nicht dran denken musst und es sauberes Arbeiten erleichtert. Und dadurch, dass es nicht nur Wasser ist, sondern auch Dampf, wird auch sauberer geflusht. Die Pro Touch Dampflanzen finden alle super. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>Wie lief der Vergoldungsprozess\u00a0 ab?<\/strong><\/p>\n<p><em>Ich hab zu Georg (Espresso Prego) gesagt: \u201eLass uns das doch mit Blattgold machen!\u201c Dann haben wir eine Blattgolderin gefunden, die das gemacht hat. Nur dann wollte das keiner lackieren. Das Ding ist dann zu Porsche gegangen. Nur Porsche wollte das lackieren. Mich erinnert sie ein bisschen an ein muscle car aus den 70er Jahren. Wie hei\u00dft denn der aus Zur\u00fcck in die Zukunft? Delorean?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Gr\u00fcndung von elbgold im Jahr 2004 z\u00e4hlen Annika &amp; Thomas zu den ersten Spezialit\u00e4tenkaffee-R\u00f6stern in Europa. 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